Klassenkampf

“Es herrscht Klassenkampf, und meine Klasse gewinnt.”
Warren Buffet, US-amerikanischer Finanzkapitalist

Zum Begriff  Arbeiterklasse

Unser Begriff von der Arbeiterklasse (ArbeiterInnenklasse) ist unscharf geworden. Dafür sind zum einen  Tabus und Versäumnisse in der theoretischen Arbeit der Vergangenheit verantwortlich. Vor allem aber ist die begriffliche Unschärfe Ausdruck sachlicher Schwierigkeiten, die bei dem Versuch entstehen, die aktuelle ArbeiterInnenklasse konkret und differenziert zu erfassen.

Relativ leicht läßt sich definieren: Zur Arbeiterklasse gehören alle Menschen, deren soziale Existenz durch den objektiven Gegensatz zum Kapital geprägt ist. Ihr sozialer Status wird wesentlich durch das Lohnarbeitsverhältnis geprägt und ist damit den Wechselfällen der kapitalistischen Akkumulation unterworfen, also durch Unsicherheit und soziale Unwägbarkeiten charakterisiert.

Jedoch stehen im Augenblick weder ein hinreichend konkretes Bild der aktuellen Arbeiterklasse noch ein adäquater Begriff zur Verfügung. „Sie können erst am Ende unseres Forschungsprojektes stehen.“ stellt das Projekt Klassenanalyse@BRD der Marx-Engels-Stiftung fest. Man wird bei dem vorgeschlagenen Begriff „A-Klasse“  – Klasse der Arbeiter, Angestellten, aller vom Kapitalismus Ausgebeuteten und Ausgegrenzten –  womöglich nicht stehen bleiben wollen, obwohl er zumindest für eine Übergangszeit nicht einmal schlecht zu taugen scheint.

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Zur Debatte über Schichten, Klassen, Proletariat, Prekariat, Klassen und Klassenkampf

Seit Jahrzehnten war und ist es üblich, den Begriff "Arbeiter" oder "Proletarier" nicht nur als Begriff sondern auch als soziale Realität um- und weg zu definieren. Sie wurden von Heerscharen von "Experten" wie U. Beck definitorisch entweder zu "Staatsbürgern" oder zu "individualisierten Arbeitsplatzbesitzern" atomisiert und als nicht-handlungsfähige, nur auf das individuelle Vorankommen geeichte Einzelsubjekte, als politisch kastriert und entmündigt angesehen.

Alles, was auch nur entfernt an Marxismus und daran ansetzende Politikkonzepte erinnerte, verfiel einem kollektiven Soziologen-Rotwelsch, bei dem es keine "Klasse" sondern höchstens noch soziale "Schichten" oder "Gruppen" geben durfte.
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Doch seit einiger Zeit hat sich dies geändert. Der Bielefelder Historiker Paul Nolte hielt sogar 2001 - ebenfalls in einem Beitrag für die "Zeit" - ein "Plädoyer für mehr Klassenbewusstsein", weil "wir ein geschärftes Bewusstsein dafür brauchen, in einer Welt zu leben, die immer noch durch soziale Ungleichheit, durch Schichtung und Klassendifferenzen geprägt wird." "Unzeitgemäß" schien Nolte noch dieser Vorschlag zu sein, da sich dies ja doch "antiquiert" anhören müsse wie die Aufforderung zur "Rückkehr in die Denkweise der Arbeiterbewegung vor hundert Jahren".
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Ironie des Schicksals ist, dass der Begriff  "Klasse". so sehr er auch anti-marxistische, automatisierte Reflexe auslöst, jedoch gar nicht "originär marxistisch" ist. Schon Marx hatte darauf verwiesen: "Was mich nun betrifft, so gebührt mir nicht das Verdienst, weder die Existenz der Klassen in der modernen Gesellschaft noch ihren Kampf unter sich entdeckt zu haben. Bürgerliche Geschichtsschreiber hatten längst vor mir die historische Entwicklung dieses Kampfes der Klassen und bürgerliche Ökonomen die ökonomische Anatomie derselben dargestellt. Was ich neu tat, war 1. nachzuweisen, dass die Existenz der Klassen bloß an bestimmte historische Entwicklungsphasen der Produktion gebunden ist; 2. dass der Klassenkampf notwendig zur Diktatur des Proletariats führt; 3. dass diese Diktatur selbst nur den Übergang zur Aufhebung aller Klassen und zu einer klassenlosen Gesellschaft bildet."
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Die jetzt von Paul Nolte geforderte Rückkehr zum Klassen-Begriff ist deshalb . . . auch eine Abkehr von der von den "Modernisierungs-" und "Indidualisierungstheoretikern" völlig verabsolutierten Geringschätzung der Rolle der (Erwerbs-)Arbeit, die sich in ihren Theorien als zentrale Kategorie  längst aufgelöst hatte.

 An ihre Stelle waren Begriffe getreten wie "Multi-Aktivität", (so das Konzept des französischen Soziologen André Gorz) oder die These von der "Erosion der Arbeitsgesellschaft". Doch, so stellt Nolte in einer neuen  Arbeit fest, die Phase des (theoretischen) Bedeutungsverlustes der Erwerbsarbeit und deren Ersatz durch ein brüchiges Konzep von "Multi-Aktivität" ist schon wieder passé. Er zeigt sich geradezu erleichtert, dass der marxistische Soziologe Oskar Negt, nicht Arbeit, sondern die Arbeitslosigkeit als "Gewaltakt" beschreibt, als "Raub und Enteignung der Eigenschaften und Fähigkeiten, die ... in einem mühsamen und aufwendigen Bildungsprozess erworben wurden" und "in Gefahr sind zu verrotten."

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aus: Hans-Peter Brenner: Anmerkung zur Debatte über die “Unterschichten”, in: Marxistische Blätter 6/06 , S.5 - 8    >>         Download des ganzen Artikels

 

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