Marxismus

Thema: Marxismus und Quantenphysik

Thema: Marxismus und  Postmoderne

Thema: Marxismen oder Marxismus?

Marx war das, was man gemeinhin einen ´Feuerkopf´ nennt. Und auch viele von denen,   die sich heute dem Marxismus zugewandt haben, gehören ein Stück weit dieser Spezies an. Es treibt sie eine nicht nachlassende Neugierde,  ein offensiver, kritischer, rebellischer Geist:  Die Neugierde, zu erforschen, was die Welt im innersten zusammenhält; der Wille, die Welt zum besseren zu verändern; die Bereitschaft, die eigenen Positionen ständig neu zur Diskussion und in Frage zu stellen. Marxismus kennt kein Dogma und keine unverrückbaren Wahrheiten, sondern immer nur so etwas wie einen Stand der Forschung / Stand der Diskussion. So wie die Physik kein zurück hinter Einstein und Planck kennt, sehr wohl aber irgendwann ein Darüberhinaus, so wie es für die Biologie kein zurück hinter Darwin gibt, so gibt es für die Ökonomie, die Gesellschaftswissenschaften, die Philosophie allerdings auch kein zurück hinter Marx und Engels, sehr wohl aber ein Darüberhinaus, dem unser ständiges Bemühen gilt. Geht es um Physik, ist manches verhältnismäßig einfach. Der mächtigen Überzeugungskraft des physikalischen Experiments kann ein ängstlich ans Gestern sich klammerndes Denken nicht auf Dauer standhalten. Geht es um Gesellschaftswissenschaften, um Ökonomie, gar um Philosophie, hat das Neue es ungleich schwerer, sich durchzusetzen. Zumal es dort ja nicht nur gilt, die Welt besser zu verstehen, sondern gleichzeitig auch immer gilt, die Welt zu verändern. Marxismus bedeutet insofern – wie jede Gesellschaftswissenschaft und alle Philosophie – immer auch Teilnahme am Klassenkampf.

Das Triumpfgeschrei ´Marx ist tot´ aus Anlass des Niedergangs der sozialistischen Länder ist seinen Urhebern mittlerweile im Halse stecken geblieben. Marx ist lebendiger denn je, ist bis in die Details seiner Analysen hinein von geradezu atemberaubender Aktualität. Allerdings ist zu verzeichnen, dass der Marxismus sich auch ein bisschen totgesiegt hat. Zu dieser überraschenden Vermutung kommen wir, wenn wir uns einmal fragen, was das eigentlich ist: Marxismus, Historischer Materialismus. Um eine Antwort zu erhalten, empfiehlt es sich immer noch, in Marx' Vorwort zu seiner Schrift Zur Kritik der Politischen Ökonomie von 1859 nachzuschlagen. Selbst wer es zum ersten Mal liest, findet dort lauter alte Bekannte: die "ökonomische Struktur der Gesellschaft" als die "reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt", die Widersprüche zwischen beiden sowie "gesellschaftliches Sein", welches das Bewusstsein bestimme. (Textauszug siehe unten) Dass derlei aber inzwischen zur stummen Selbstverständlichkeit sowie zur  (und sei es heimlichen) Arbeitsvoraussetzung jedes - auch des "bürgerlichsten" - Gesellschaftswissenschaftlers wurde: Das ist ein Ergebnis einer Erfolgsgeschichte, die irgendwann einmal eben auch ihr eigenes Subjekt aufgefressen hat. (Es kommt dabei gar nicht darauf an, ob alle, die historisch-materialistisch argumentieren, sich selbst für Marxisten halten. Der Namensgeber der ganzen Angelegenheit hat bekanntlich lakonisch festgestellt, er jedenfalls sei keiner.)

Shlomo Avineri hat hierzu festgehalten: »Nähme man den marxistischen Beitrag aus der modernen Geschichte und ihren intellektuellen Begleiterscheinungen heraus, so bliebe schwerlich ein Bereich menschlicher Wissenschaft der gleiche... Der Marxismus ... verwandelte das gesamte Selbstverständnis des modernen Menschen in den verschiedensten Bereichen, nicht indem er uns alle zu ›Marxisten‹ machte, sondern weil er in alle Bereiche des Denkens und Handelns in einem solchen Maße eingedrungen ist, daß es unmöglich ist zu unterscheiden, was marxistisch ist und was nicht. Er wurde soweit universalisiert, daß er in vielen Fällen nicht mehr zu unterscheiden ist vom allgemeinen intellektuellen Erbe der gegenwärtigen Menschheit in den meisten Sphären menschlicher Verständigung. Er hat die Vorstellungen, Begriffe und Bezugspunkte politischer, sozialer und menschlicher Auseinandersetzung auf eine Art und Weise verändert, wie es unter dem Eindruck keiner anderen Denker oder Schulen geschehen ist. Er ist – wenn auch für viele manchmal unbewußt – Gemeingut der modernen Menschheit geworden. Dadurch hat er genausoviel getan, die Welt zu verändern wie sie zu interpretieren.«

------------------------
Textauszug
aus dem Vorwort zu Marx´ Schrift Zur Kritik der Politischen Ökonomie von 1859:

“In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen.

Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.

Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolutionen ein.”

Der komplette Text:  HIER   (Beginn des Zitats: Zeile 21)

- - - - - - -
Der historische Materialismus heute
- - - - - - -
weiter

* * *

Thema: Marx und Darwin

Thema: Marxismus und Psychologie

Thema: Der Historische Materialismus heute

Das Weltbild von Bill Gates

 Marxistische Abendschule Essen